Familienorientierte Wohngruppe Kahla

Rudolf-Breitscheid-Straße 21; 07768 Kahla; 036424.738555; Fax 036424.738553

Die familienorientierte Wohngruppe Kahla ermöglicht eine Unterbringung für bis zu sechs Kinder vom sechsten bis zwölften Lebensjahr nach §§34, 35a und 42 SGB VIII. Als eine koedukative Einrichtung werden die Bewohner von pädagogisch ausgebildetem Fachpersonal betreut. Neben SozialpädagogInnen ist ein/e PsychologIn für die Gestaltung des Alltags verantwortlich. Ergänzt wird das Team in Doppelbetreuungszeiten durch FamilienpflegerInnen. Insgesamt stehen der Wohngruppe fünf MitarbeiterInnen in Vollzeit sowie eine Hauswirtschafterin in Teilzeit zur Verfügung. 

Die Doppelzimmer, ein großes Wohnzimmer, die modern ausgestattete Küche mit Essbereich, sowie der Kickerraum im Erdgeschoss fördern eine familiäre Gemeinschaft unter den Kindern, sowie zwischen ihnen und den Betreuenden.

Zielgruppe sind Kinder, die vorübergehend nicht in ihrem Elternhaus leben können, deren familiäre Ressourcen eine Rückführung ermöglichen, wenn die Familie hierfür Unterstützung erhält und deren Eltern bereit sind, im Rahmen des Rückführungskonzeptes mitzuwirken.   

Mittels optionalem Rückführungskonzept soll ermöglicht werden, dass eine Rückführung  in den elterlichen Haushalt nach maximal einem Jahr vollzogen werden kann. Demzufolge richtet sich das Angebot der Wohngruppe richtet sich vor allem an Familien, die nicht weiter als eine Fahrstunde weit entfernt von Kahla wohnen, damit vor allem das Rückführungskonzept nicht an zu langen Fahrzeiten scheitert. Näheres hierzu auf der Rückseite.

Der Zugang in die Wohngruppe kann auch mittels der beiden Inobhutnahmeplätze erfolgen, wenn die Wohngruppe nicht durch Maßnahmen nach §34 und §35a SGB VIII ausgelastet ist.

 

Rückführungskonzept der Familienorientierten Wohngruppe Kahla

Die Aufnahme eines Kindes in eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe ist für die Familie ein einschneidendes Ereignis mit vielen Unsicherheiten. Warum hat man uns das Kind „weggenommen“? Wie lange wird das Kind in der Einrichtung bleiben? Was müssen wir tun, damit eine Rückführung möglich wird?

Nach einer genauen Auftragsklärung, zusammen mit dem Jugendamt und der Familie, wollen wir uns gemeinsam mit den Eltern diesen Fragen und deren Beantwortung stellen.

Im Rahmen des Rückführungskonzeptes sollen Eltern am Alltag ihres Kindes im stationären Setting teilhaben. Dies kann durch vor- und nachbereitete Elternnachmittage stattfinden. Die Eltern erhalten somit Impulse, Strukturen aus dem stationären Setting in ihren Familienalltag zu übernehmen.

Zentraler Bestandteil des Rückführungskonzeptes sind zum einen die einmal monatlich stattfindenden Elternworkshops und zum anderen die zweimal monatlich stattfindenden Elterngespräche im elterlichen Haushalt.

Themen der Workshops können sein:

  • „Unser Kind im Heim“ – Was führt zu diesem Schritt? Welche Ziele hat die Familie? Aufbau von Verantwortungsübernahme und Veränderungsmotivation
  • Bindung und Beziehungsqualität – Was macht eine gute Eltern-Kind-Beziehung aus? Transgenerationale Erziehungsmuster erkennen, Rituale im Alltag einsetzen
  • Psychische Erkrankungen in der Familie – wie spreche ich mit meinem Kind über meine Erkrankung? Welche Einflüsse kann eine psyschiche Erkrankung auf die Erziehung haben? Warum ist mein Kind aggressiv?  Warum ritzt sich mein Kind? Was ist AD(H)S?
  • Umgang mit Konflikten in der Erziehung – Bedürfnisse und Entwicklungsaufgaben, angemessene Regeln und Konsequenzen aufstellen, Gestaltung von Tagesstruktur und Freizeit, Warum ist die Hausaufgabenzeit immer so stressig? Was war denn da los? Besprechung typischer Konfliktsituationen der Familien und Erarbeitung alternativer Lösungswege
  • Ambulante Hilfen zur Erziehung und Beratungsangebote – Hilfen zur Erziehung über das Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen, ambulante Psychotherapie
  • Weitere drei Workshops zusammen mit den Kindern – Anwendung von Elementen der Multifamilientherapie um positive Erfahrungen den Eltern mit ihren Kindern zu ermöglichen

 

Die Elterngespräche im elterlichen Haushalt dienen zum einen der weiteren Auseinandersetzung mit  den Inhalten der Workshops, aber auch als Hilfe, Unterstützung und Kontrolle bei der Umsetzung der Dinge, die im elterlichen Haushalt vor einer Rückführung geändert werden müssen.

Das Rückführungskonzept kann als zusätzliche individuelle Erziehungsleistung im Einzelfall installiert werden. Finanziert wird das Konzept mittels Fachleistungsstunden. Die Gesamtverantwortung für das Rückführungskonzept trägt die einrichtungsinterne Psychologin, die ab vier teilnehmenden Familien durch eine/n SozialpädagogIn Unterstützung erhält.